Geduldig steht Sam Gamdschie still und lässt sich von zwei Frauen ein Transportnetz umlegen. Der Quarter Horse/Haflingerwallach und seine Artgenossen Tiny, Muffin und der Kleine Muck spielen heute eine tragende Rolle: Auf dem Schliengener Ziegelhof läuft erstmals ein Workshop zum Thema „Sichere Pferderettung“/ Erste Hilfe im Notfall.

Von Silke Hartenstein

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Anita Windisch vom Großtier-Rettungsdienst Schweiz und eine Kursteilnehmerin legen „Sam Gamdschie“ ein Transportnetz um.   
Fotos: Silke Hartenstein Foto: Weiler Zeitung
 

Schliengen. Veranstalter ist die Firma Baumann Pferdegestütztes Coaching, die von Susanne Baumann im Nebenerwerb betrieben wird. Seit einem Jahr leben sie, ihre Schwester Marianne Baumann und die vier Pferde auf dem Ziegelhof.

Pferdebesitzer und Feuerwehrleute nehmen teil

30 Teilnehmer, darunter Pferdebesitzer aus einem großen Umkreis und zehn Feuerwehrleute aus Schliengen, Kandern und Lörrach, lernen hier heute dazu. Sechs Stunden lang gibt es Informationen, Videos, Verbandstechniken und praktische Übungen an den Pferden oder dem Pferde-Dummy. „Im Grunde geht es um Erste Hilfe“, erklärt Tierarzt Jakob Heinrich aus Kandern. Er, sein Basler Kollege Dorian Bindler und Anita und Ueli Windisch vom Großtier-Rettungsdienst Schweiz zeigen in Theorie und Praxis, worauf bei der Ersten Hilfe zu achten ist.

Pferd kann sich in Stresssituationen kopflos verhalten

„Das Ross ist ein Fluchttier und kann sich in Stresssituationen kopflos verhalten“, erklärt Tierarzt Bindler. „S‘ große Problem isch es G‘wicht“, stellt Ueli Windisch fest.

Ohne Beruhigungsmittel geht es nicht

Bis zu einer Tonne kann ein Pferd wiegen. Ein Video zeigt, wie ein solches Schwergewicht mit harten Hufen während der Rettung im mittels Seilwinde angehobenen Transportnetz wild um sich strampelt. Ohne dem Pferd vorher ein Beruhigungsmittel zu verabreichen, gehe ein solcher Transport gar nicht, sagt Windisch.

Das Video veranschaulicht auch, warum die richtigen Transportnetze unerlässlich sind. Es sei nicht ratsam, so Windisch, mit Gurten oder Feuerwehrschläuchen ein Tragenetz zu improvisieren.

Für Florian Sattler, Gesamtkommandant der Schliengener Feuerwehr, ist das Video ein Aha-Erlebnis: „Ich habe noch nie darüber nachgedacht, wie man ein hoch gehobenes Pferd sicher auf dem Boden absetzt.“ Er selbst hat in seiner Zeit bei der Schliengener Feuerwehr keinen Pferderettungseinsatz erlebt. Angesichts der wachsenden Zahl von Reiterhöfen in der Umgebung könne es jedoch irgendwann dazu kommen, sagt Sattler – und dann gehe es für die Feuerwehr darum: „Wo ist die Grenze, die wir mit unserer Ausrüstung erledigen können?“ Das lernen heute gleich sieben Schliengener Feuerwehrleute.

Warteliste: Neuer Kurs für Frühjahr geplant

Auch die Pferdebesitzer sind angetan vom Kurs. Julia Kunstein aus Lörrach sagt, man lerne zwar im Umgang mit Pferden, wie man Erste Hilfe leisten könne: „Aber es gibt Lagen, in denen man keinen Plan hat.“ „Es ist gut, dass man nicht immer so hilflos daneben steht“, findet Sandra Martin aus Solothurn. Interesse an solchen Kursen ist offenbar vorhanden. „Wir haben eine Warteliste“, sagt Susanne Baumann. Im Frühjahr 2019 will sie erneut einen Workshop anbieten. Weitere Informationen unter https://susannebaumanncoaching.com.

Weiler Zeitung, 08.10.2018 21:48 Uhr